Was kann man bei Burnout tun?
Hilfe annehmen tut gut !
Was kann man tun?
Oft versuchen Feuerwehrleute, die Burnoutsymptome mit sich herumtragen, oft auf eigene Faust in eine heile Welt zurückzukehren. Sie verdrängen ihr Leiden und geraten doch nur in einen Teufelskreis von Verdrängung, Scheitern und sich verschlimmernder Symptome, aus dem es so leicht kein Entkommen gibt.
Man tut gut daran, sich rechtzeitig helfen zu lassen. Durch eine frühzeitige psychosoziale Intervention kann der Entwicklung eines Burnout entgegengewirkt werden, sagen Fachleute. In den Anfangsphasen können teilweise noch ausgedehnte Erholung oder ein Arbeitsplatzwechsel helfen. Im fortgeschrittenen Stadium vergeht ein Burnout-Syndrom nicht einfach wieder. Die Betroffenen sollten gezielt Hilfe von anderen bestenfalls Profi´s annehmen, welche gezielten die eigene Leistungsfähigkeit einschätzen und zukünftige Leistungsanforderungen realistisch darstellen, damit künftige Überforderungen verringert oder vermieden werden.
Was kann jeder selber tun?
Für Burnout-Gefährdete ist es sehr wichtig, sich selbst Zeit und Raum zum Ausruhen und Regenerieren sowie für Ausgleichsmöglichkeiten wie Sport, Musik oder andere Hobbys zu nehmen. Wichtig ist hier Ruhe und Entspannung zu erfahren, indem man die Aufmerksamkeit von Belastungsbereich weglenkt, dies wirkt geistig und körperlich sehr entlastend.
Zudem ist es wichtig, die notwendige Distanz zur Arbeit zu behalten oder zu schaffen, um ihr aus einem neuen Blickwinkel zu begegnen und möglicherweise unrealistische Vorstellungen zu korrigieren.
Vorbeugung von Seite des Arbeitgebers
Der Einhaltung der Arbeitschutzbestimmungen sollte ein größeres Gewicht gegeben werden. Vergleiche hierzu Arbeitsschutzgesetz §2 (1996):
„Die Arbeitgeber sind verpflichtet nachzuweisen, dass die Ausübung des Berufes in Ihrer Organisation nicht gesundheitsschädigend ist“, dazu zählt auch die psychische Gesundheit.
Dabei handelt es sich nicht nur um gesetzliche Pflichten, sondern auch um ethische Normen, zu denen sich auch die Feuerwehr verpflichtet fühlen sollte. Besonders in Anbetracht des demographischen Wandels wird der Leistungserhalt der Beschäftigten immer wichtiger. In 10 Jahren wird von einem 60-Jährigen womöglich das Leistungsniveau eines 40-Jährigen verlang. Da ist es wichtig die Mitarbeiter so lange wie möglich auch gerade psychisch gesund zu erhalten.
Psychische Erkrankung
Die Wahrscheinlichkeit als Einsatzkraft einer Berufsfeuerwehr an einer PTBS zu erkranken, statistisch gesehen zwei- bis dreimal höher als bei der breiten Bevölkerung. Die Wahrscheinlichkeit steigt noch immens, wenn der Mitarbeiter bereits psychisch vorbelastet ist. Neben den schlimmen persönlichen Folgen einer solchen Erkrankung entstehen auch erhebliche Kosten für Städte und Gemeinden nicht erst recht im Falle einer Frühpensionierung.
Weitere Vorbeugungsangebote der Institutionen, um die Mitarbeiter vor Überlastungen zu schützen und dem Burnout vorzubeugen, könnte beispielsweise präventive Maßnahmen im Bereich Stress- und Traumaverarbeitung bieten.
Psychosoziale Unterstützung (PSU)
Der Grundgedanke der psychosozialen Unterstützung besteht in der Kombination von Kollegenhilfe (die sich einer speziellen Fortbildung unterzogen haben) und psychosozialen Maßnahmen von psychosozialen Fachkräften. Natürlich soll es nicht das Ziel sein jemandem einzureden, dass er psychische Hilfe benötigt. Vielmehr soll der Feuerwehrmann bei sich selbst und anderen bewusst wahrnehmen, wenn man mit den erlebten Situationen nicht klar kommt. Diese unterstützende Hilfe kann ein PSU Team anbieten. Zu den Mitgliedern dieses Teams gehören erfahrene Einsatzkräfte, Notfallseelsorger und psychosoziale Fachkräfte. Dabei sollen die Vorteile einer kollegialen Hilfe genutzt werden. Es ist nahe liegend, dass sich Menschen eher einem bekanntem Kollegen anvertrauen als einem Fremden. Zu den Aufgaben des PSU Teams gehört, das Unterstützen während und nach belastenden Einsätzen. Eine Sensibilisierung des Umfeldes, sowie eine strukturierte Nachsorge in Form von Einzel- und Gruppengesprächen.
Organisatorische Veränderungen
Ein wichtiger Aspekt für die Einsatzkräfte in Ballungszentren, sind die Belastungen durch zu großen Zeitdruck und zu hohen Fallzahlen. Diese können zum Beispiel durch, verkürzte Schichten, längere Arbeitspausen vermindert oder sogar vermieden werden. Langfristig könnte sogar bedacht werden ob nicht Teilzeit oder Praktikantenstellen eine Entlastung bringen damit es nicht zum Stellenaustausch auf gleicher Ebene oder vorzeitigen Pensionierungen kommt. Durch verschiedene Maßnahmen kann sich die Arbeit als abwechslungsreicher, interessanter und anregender erweisen, wodurch auch der individuellen Stress verringert und die Arbeitseinstellung zum Positiven verändert werden kann. Weitere Hilfemöglichkeiten in dieser Hinsicht wären auch, dass die Mitarbeiter Arbeitsaufgaben untereinander tauschen oder abgeben können, sozusagen eine Mischung der Aufgaben mit Routinetätigkeiten. Die Organisation kann außerdem mit Hilfe einer wohldurchdachten Innenarchitektur ungestörte Arbeitsplätze schaffen, Lärm verringern und durch eine indirekte Beleuchtung, Zimmerpflanzen und angenehme Farben eine bessere Arbeitsatmosphäre schaffen.
Erweiterung des Handlungsspielraums
Um zufriedenere Mitarbeiter zu bekommen, die sich mit ihrer Feuerwehr identifizieren, sollten diese an der Organisation beteiligt werden. Maßnahmen in dieser Hinsicht wären eine eigenständige Planung und Ausführung von übertragenen Arbeitsaufgaben durch die Mitarbeiter sowie eine Mitgestaltung derer an den jeweiligen Arbeitsbedingungen (z.B. beim Vorbereiten der Fortbildungen). Haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, ihr Umfeld selbst zu gestalten, gehen Ausbrennen und Überdruß zurück, die Organisation wird funktionstüchtiger und die Qualität der gebotenen Versorgung besser. Ein wichtiger positiver Nebeneffekt ist zugleich ein positives Bild der Feuerwehr nach draußen an den Bürger. Dazu bedarf es jedoch eine Flexibilisierung der bürokratischen Strukturen des öffentlichen Dienstes.
Hierzu darf ich jedoch auf mein Buch „Burnout bei der Feuerwehr“ (Tektum Verlag 2007) verweisen, wo weitere Denkanstöße zu finden sind.
Dipl. Soz. Wiss. Mark Overhagen